... unsere Kirche

Als deutsche Siedler um 1100 in das sorbische Musitscin kamen, brachten sie neben dem Pioniergeist für den Ausbau des Landes auch ihren christlichen Glauben in diese Gegend. Nach einer bescheidenen Holzkirche errichteten sie um 1250 eine Kirche aus Stein: mit flacher Decke, starken Mauern und kleinen rundbogigen Fenstern. Das Untergeschoß des Turmes wurde durch zwei Triumphbögen geöffnet und gab den Blick zum Altar mit der Apsis frei.

Eine Erweiterung der Kirche ließ Heinrich von Starschedel ausführen. Aus seiner tiefen Frömmigkeit heraus gründete er 1490 ein kleines Kloster in Mutzschen. Die Klostergebäude wurden an die Kirche angebaut, ein Kreuzgang führte vom neuen Nordportal am Turm um den Klosterhof. Bald konnten die Kleriker des Marien-Serviten-Ordens ihre Messe in der neuen Klosterkirche feiern: sie war mit Maßwerkfenstern und Gewölbe sehenswert gestaltet und gab den Psalmengesängen eine wunderbare Akustik. Noch heute zu bewundern ist das Portal von 1490 am Westgiebel. Die Geistlichen des Ordens führten die Reformation in dieser Gegend ein, sie hatten die Pfarrstellen von Mutzschen, Wermsdorf und Fremdiswalde inne. Eine Kanzel wurde errichtet, denn der Schwerpunkt des Gottesdienstes verlagerte sich hin zur Predigt. Eine Zäsur brachte das Jahr 1681: noch hatten sich Land und Leute kaum von den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges erholt, als Stadt und Kirche niederbrannten. Obwohl die Mutzschener mit dem Aufbau ihrer Häuser schwer belastet waren, sorgten sie beharrlich für den Wiederaufbau der Kirche.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Orgel, 1686 von Tobias G. Trost erbaut, durch ein größeres Werk der Fa. Schmeisser ersetzt.

Grundlegend wurde die Kirche 1834 umgestaltet. Sie erhielt größere Fenster, eine neue Kanzel und neue Emporen , um möglichst vielen Gottesdienstbesuchern Platz zu bieten.

Weil 1940 ein zusammengerutschter "unterirdischer Gang" zu einem Einsturz geführt hatte, musste der Chorraum vom Schiff abgetrennt werden.

Der so entstandene verkleinerte Gottesdienstraum entsprach aber auch mehr dem neuen Selbstverständnis der Gemeinde als Glaubens-, Bekenntnis- und Dienstgemeinschaft in einer den Glauben immer mehr ablehnenden Umwelt. Ende der 80ziger Jahre wurde die Kirche - getragen vom ehrenamtlichen Engagement treuer Gemeindeglieder - äußerlich instandgesetzt. 2001 folgte die Innenrenovierung, wobei die Kirche eine neue Kassettendecke erhielt.