Regenbogen

Die Botschaft des Regenbogens

Wenn der Bogen in den Wolken steht, dann werde ich ihn ansehen, um des immerwährenden Bundes zu gedenken, der zwischen Gott und allen Lebewesen jeglicher Art auf Erden besteht. (Gen 9, 16)

Die Ferienzeit hat begonnen und Viele sind unterwegs. Ob wandernd in den Bergen oder paddelnd auf den Mecklenburger Seen – wir nehmen die Welt in dieser Zeit mit anderen Augen wahr. Nach ein paar Tagen in der Natur spüre ich immer mehr, dass jede Pflanze und jedes Tier letztlich ein Selbstausdruck Gottes ist, der sich in seiner Schöpfung mitteilt und sichtbar wird.
Als Zeichen, als Symbol dieser Verbundenheit zwischen Gott und seiner Schöpfung, so berichtet die Bibel im Buch Geneses , hat Gott den Regenbogen in den Himmel gesetzt. Er besteht aus Wasser und Licht – die Grundlagen des Lebens also, ohne die Menschen, Tiere und Pflanzen nicht existieren können.
Genauso wie in Pflanzen und Tieren wird auch in jedem von uns ein Gedanke Gottes sichtbar. Besonders deutlich wird das bei der Geburt eines Kindes. Dann kommt damit nicht mehr und nicht weniger als etwas Göttliches in die Welt, was wir nur bestaunen und bewundern können wie die heiligen drei Könige das Jesuskind oder die Väter das Neugeborene im Kreissaal, das da plötzlich zu schreien und zu leben beginnt. In diesen Momenten wird etwas von dieser in uns angelegten Verbindung mit dem Grund des Seins,
mit Gott spürbar. Bevor ein Kind zur Welt kommt, ist es Eins mit Gott und der Welt um sich herum. Mit dem Eintritt in die Welt vergisst ein Kind nach und nach, woher es eigentlich kommt. Es kommt aus der Ganzheit in eine gespaltene Welt, eine Welt der Gegensätze und Trennungen. Es macht die Erfahrung der Polarität. Auf die Frage, warum das so ist, habe ich keine erschöpfende Antwort. Aber mir fällt die Geschichte von einem kleinen Lichtstrahl ein, der in der Nähe der Sonne mit vielen anderen Lichtstrahlen zusammen ein wunderbares lichtvolles Leben führte. Er war aber ein sehr wissbegieriger Lichtstrahl und es nagte in ihm die Frage, herauszubekommen, was er denn eigentlich sei, was im Grunde die Qualität seines Lichts ausmacht und er fragte Gott, wie er das herausfinden könne. Und Gott sagte zu ihm: Wenn du erfahren willst, wer du bist, wenn du erfahren willst, was Licht ist, dann musst du dir das Gegenteil davon erschaffen, nämlich die Dunkelheit. Und auch davon erzählt ja schließlich der Regenbogen, den wir nur darum sehen können, weil in ihm die Ganzheit des Lichts zerlegt wird in das Spektrum der Farben der einzelnen Lichtwellen. Um zu erfahren, was Wärme ist, muss ich Kälte spüren können, um zu erfahren, was Liebe ist, ist die Erfahrung von Unliebe, von Hass, Neid und Eifersucht nötig. Um die Erfahrung der Verbundenheit mit Gott zu machen ist offenbar auch die Erfahrung von Gottesferne, die Erfahrung der Trennung vom Ursprung des Lebens nötig. Offenbar wollen oder müssen sehr viele Seelen in unserer Welt diese Erfahrung machen, denn jeder Mensch kreiert sich bewusst oder unbewusst die Welt entsprechend den Erfahrungen, die die Seele in der Welt machen möchte. Dazu gehören Kriege, Terror und Bankenkrise genauso dazu wie persönliche Leiderfahrungen von Krankheit und Tod. Zugleich aber wächst in jedem von uns die Sehnsucht nach Verbundenheit mit unserem göttlichen Kern, nach Ganzheit und Liebe. Es ist wie die Befreiung aus einem selbstgezimmerten Gefängnis, wenn Menschen das in ihrem Leben wieder entdecken, nämlich dass unsere eigentliche Essenz „Liebe“ ist. Unterschiedlich lang und tief sind die Wege, die jeder von uns durch die Erfahrung von Getrenntsein, von Dunkelheit, Schmerz und Unliebe gehen muss, um vielleicht irgendwann oder immer wieder einmal die Erfahrung von Geborgenheit, Verbundenheit, von Wärme, Vertrauenkönnen und Liebe zu machen. Jeder Regenbogen, den wir im vor uns liegenden Sommer sehen, kann uns daran erinnern, dass wir im Grunde unserer Existenz nicht aus der Liebe und der Verbundenheit mit Gott herausfallen können.

Henning Olschowsky