Herzlich Willkommen

Jahreslosung 2017
„Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch“. Ez. 36,26

Liebe BesucherInnen unserer Internetseite,

Es ist kurz vor Weihnachten. Ich sammle meine Gedanken zur Jahreslosung für das Jahr 2017. Dabei gehen mir die Bilder des todbringenden Lkws in Berlin nicht aus dem Kopf, die die Berichterstat- tungen der letzten Tage prägten. Das Thema „Terror“ und „Angst vor Terror“ durchzog das zurückliegende Jahr in bis dahin nicht gekannter Intensität. Kaum eine Woche, manchmal kaum ein Tag vergingen, bis wir wieder durch eine Terrorwarnung oder Anschlagsmeldung aufgeschreckt wurden. Aber auch die Bilder ertrunkener Flüchtlinge, verstümmelter Kriegsopfer und Terror im Irak, in Syrien, in Afghanistan sehe ich vor meinen Augen. Warum lässt Gott das zu? Wenn es einen Gott gibt, dann müsste er doch dreinschlagen und alles ändern – so hoffen und beten viele. Gott soll doch endlich mal Führungsstärke zeigen, Macht demonstrieren, wenn es sein muss, auch mit Gewalt. – so wie der türkische Präsident Erdogan oder wie es der zukünftige amerikanische Präsident auf den Lippen trägt. Aber Gott tut’s nicht. Und das ist wohl das größte Geheimnis Gottes. Seine Macht besteht in seiner Ohnmacht. Er setzt sich dieser Welt selbst aus mit all ihren Schrecken, ihrem Terror, ihren Ängsten. Die Geburt Jesu ist dafür das stärkste Zeichen. Angst, Hass, Terror und Gewalt sind nicht mit Sicherheitszäunen, schärferen Gesetzen, Gegengewalt und Bomben zu überwinden. Das wird eine der provokantesten und wichtigsten Botschaften des erwachsenen gewordenen Jesus sein, dass Angst, Hass und Gewalt niemals durch Gegengewalt besiegt werden können. Das gelingt nur durch einen grundlegenden Perspektivwechsel. „Wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halte die andere“ hin – so erklärt Jesus in der Bergpredigt. „Wenn einer dich zwingt, eine Meile mit ihm zu gehen, dann gehe 2 Meilen mit ihm“. Aus dieser Haltung Jesu heraus entstanden die Konzepte des passiven Widerstands von Franz von Assisi, Martin Luther King über Mahatma Gahndi bis hin zur friedlichen Revolution 1989. Diese Haltung prägt die moderne Konflikt- und Friedens-forschung, die Gewaltspiralen auflösen will. Jesu Blick auf seine Mitmenschen ist getragen von Respekt, Einfühlungsvermögen und Liebe, eine Liebe, die entwaffnet und die allein Angst und Hass verwandeln kann in Vertrauen und Verbundenheit. Denn, und das ist Jesu tiefste Überzeugung im Grunde unserer Existenz sind alle Menschen auf dieser Erde Schwestern und Brüder – Kinder des einen Gottes, dessen höchste Energieform Liebe ist. Genau das meint die Jahreslosung für das Jahr 2017, wenn sie vom neuen Herz und vom neuen Geist spricht, welche Gott uns schenkt. Es geht um Erneuerung. Daran erinnert uns auch das Reformationsjubiläum, das wir in diesem Jahr 2017 feiern. Die Reformation vor 500 Jahren hat unsere Kirche und die Welt zugleich erschüttert und verändert. Zu allererst ging es ihr um die Frage nach einem bewussten und mündigen Glauben und Leben. Gott war nicht mehr zuerst der Rächer und Richter, sondern der liebende Vater und barmherzige Versöhner. „Ecclesia semper reformanda est“ – postulierte Martin Luther und meinte damit, dass die Kirche sich immer verändern muss, weil sich die Fragen der Menschen, das Leben, die Welt ändern. Bibel und Leben müssen immer wieder neu zu einander ins Verhältnis gesetzt werden. D. h. dass Christen gemeinsam Antworten aus ihrem Glauben heraus suchen auf die drängenden Fragen unserer Zeit. Dazu braucht es immer wieder ein neues Herz und einen neuen Geist. Dies betrifft nicht nur die großen Fragen unserer Zeit im Umgang mit Krieg und Terrorismus, Globalisierung, Verteilungsgerechtigkeit, Finanzmärkten, Klimaentwicklung und Gleichberechtigung um nur einige zu nennen, sondern auch die Zukunft der Kirche in unserem Land, in unserer Region. In den Kirchenvor-ständen wird derzeit intensiv über perspektivisch sinnvolle gemeindliche Arbeitsstrukturen in unserer Region nachgedacht, denn die Anzahl der Gemeindeglieder in der sächsischen LandesKirche wird sich bis 2040 nach den derzeitigen Prognosen halbiert haben. Veränderungen werden unumgänglich sein. Damit verbunden ist eine stärkere Vernetzung der Gemeinden in unserer Grimmaer Region. Ein erster Schritt ist ein neues Gottesdienstkonzept, das im neuen Jahr als Pilotprojekt startet. Alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter im Verkündigungs-
Dienst arbeiten im Team zusammen und haben dabei alle Gottesdienstorte der Region im Blick, inklusive der derzeit vakanten Trebsener Bereiche. Damit sind neue Gottesdienstzeiten verbunden, nämlich 8.45 Uhr und 10.15 Uhr. Zugleich werden gelegentlich auch Pfr. Wendland oder Pfr. Merkel Gottesdienste in Fremdiswalde oder Mutzschen leiten, während ich z. B. in Trebsen oder Grimma bin. So werden die Gottesdienste farbenfroher und vielfältiger. Im Sommer werden wir Bilanz ziehen, was sich bewährt hat oder wo nachgebessert werden muss. Dies wird ein offener Prozess sein. Und wir hoffen und wünschen uns, dass Sie als Gemeindeglieder davon profitieren werden.
Ich wünsche Ihnen Allen ein segensreiches Reformationsjahr 2017
Ihr Pfr. Henning Olschowsky

Humpelnde Welt

Es bleibt nicht aus, dass man den Mut verliert, wenn man schon längere Zeit mit seinen wunden Füßen herumexperimentiert.
Ich hatte noch immer nicht den richtigen Schuh, die richtige Sohle, die richtige Salbe gefunden;
Ich sah –fast getröstet – anderen Humpelnden zu.
Und kam ein Morgen, ein kalter, unangenehmer,
Der hatte-mir günstig-mir freudige Post beschert.
Ich humpelte weinwärts, aber ich hinkte bequemer.
Ich glaube, es schneite, donnerte, regnete,
Rauchte, aber für mich nicht bestellt.
Mir lächelte alles, was mir begegnete.
Auch du kannst so schön sein, humpelnde Welt.

Joachim Ringelnatz